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Ist meine Website barrierefrei? Der 10-Punkte-Selbsttest

Zehn einfache Tests, die du in wenigen Minuten selbst machen kannst – ohne Fachwissen

  • Barrierefreiheit

Barrierefreiheit im Web ist kein Nischenthema mehr. Für die Bundesverwaltung ist ein barrierefreies Internetangebot seit 2004 gesetzlich vorgeschrieben: Das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) gilt seit dem 1. Januar 2004, und der Bund orientiert sich heute am Standard eCH-0059, der auf den WCAG 2.1 Stufe AA beruht. Für private Anbieter ist eine Revision des BehiG unterwegs: Der Bundesrat hat die Botschaft im Dezember 2024 ans Parlament überwiesen, in Kraft ist die Revision noch nicht (Stand Oktober 2026). Und wer Produkte oder Dienstleistungen an Konsumentinnen und Konsumenten in der EU verkauft, kann über den European Accessibility Act (anwendbar seit 28. Juni 2025) schon heute betroffen sein.

Die gute Nachricht: Du brauchst kein Audit und keine Spezialsoftware, um dir einen ersten Eindruck zu verschaffen. Die zehn folgenden Tests kannst du selbst durchführen, am eigenen Rechner und in wenigen Minuten. Das ersetzt keine vollständige Prüfung, zeigt dir aber schnell, ob deine Website auf einem soliden Fundament steht oder ob es grössere Lücken gibt.

Nimm dir deine Startseite und eine wichtige Unterseite vor, zum Beispiel die Kontaktseite oder eine Angebotsseite. Geh die Punkte der Reihe nach durch und notiere bei jedem: bestanden oder nicht.

1. Bedienung mit der Tastatur

Worum es geht: Viele Menschen nutzen keine Maus, etwa weil sie motorisch eingeschränkt sind oder mit einem Screenreader arbeiten. Eine barrierefreie Website lässt sich vollständig mit der Tastatur bedienen.

So testest du es: Klick einmal in die Seite und drücke wiederholt die Tab-Taste. Mit Shift + Tab gehst du zurück, mit Enter öffnest du einen Link. Du solltest Schritt für Schritt alle Links, Buttons und Formularfelder erreichen. Kommst du ins Menü, in die Suche und bis in den Footer? Bleibt der Fokus irgendwo «hängen»?

Tipp für den Mac: Safari springt mit Tab standardmässig nur zu Formularfeldern. Aktiviere in den Safari-Einstellungen unter «Erweitert» die Option, mit Tab alle Objekte einer Webseite hervorzuheben, oder teste mit Firefox oder Chrome.

Bestanden, wenn: du alles erreichst und alles auslösen kannst, was auch mit der Maus geht.

2. Sichtbarer Fokus

Worum es geht: Wer mit der Tastatur navigiert, muss jederzeit sehen, welches Element gerade ausgewählt ist.

So testest du es: Achte beim Durchtabben aus Punkt 1 darauf, ob immer eindeutig zu sehen ist, wo du gerade bist. Ein klar erkennbarer Rahmen oder eine deutliche Hervorhebung gehört dazu.

Bestanden, wenn: der Fokus nie unsichtbar wird, auch nicht bei Buttons, im Menü oder im Cookie-Banner.

3. Alternativtexte für Bilder

Worum es geht: Screenreader können Bilder nicht «sehen», stattdessen lesen Screenreader den hinterlegten Alternativtext vor. Fehlt er, bleibt ein wichtiges Bild für blinde Menschen stumm.

So testest du es: Installiere eine kostenlose Browser-Erweiterung wie «WAVE» oder «Web Developer» und lass dir die Alternativtexte aller Bilder anzeigen. Ohne Erweiterung geht es so: Rechtsklick aufs Bild, «Untersuchen» wählen und im Code nach alt="…" schauen. Noch einfacher: Frag deine Redaktion, ob bei jedem inhaltlich wichtigen Bild ein Alternativtext gepflegt wird. Rein dekorative Bilder brauchen keinen, ein Foto deines Teams oder deiner Produkte sehr wohl.

Bestanden, wenn: jedes Bild, das eine Information transportiert, einen sinnvollen Alternativtext hat, und Bilder in Links oder Buttons sagen, wohin sie führen oder was sie tun.

4. Farbkontrast

Worum es geht: Hellgraue Schrift auf weissem Grund oder weisser Text auf einem hellen Button ist für viele Menschen kaum lesbar, besonders für ältere Menschen und Menschen mit Sehbeeinträchtigung.

So testest du es: Schau dir deine Texte bei normaler Bildschirmhelligkeit an. Lässt sich alles mühelos lesen, auch die graue Schrift im Footer oder der Text auf farbigen Buttons? Für eine genaue Messung gibt es kostenlose Kontrast-Rechner, zum Beispiel den «Colour Contrast Analyser». Die WCAG verlangen für normalen Text ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1, für grosse Schrift 3:1.

Bestanden, wenn: sich alle Texte auch bei flüchtigem Blick klar vom Hintergrund abheben.

5. Zoom und Textvergrösserung

Worum es geht: Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen vergrössern Webseiten oft deutlich. Dabei darf nichts verschwinden oder unbedienbar werden.

So testest du es: Drücke Ctrl und + (Mac: Cmd und +), bis die Seite auf etwa 200 % vergrössert ist. Bleibt der Text lesbar? Überlappen sich Elemente? Verschwinden Inhalte am Rand, oder sind Texte abgeschnitten? Mit Ctrl und 0 (Mac: Cmd und 0) kommst du zurück zur normalen Grösse.

Bestanden, wenn: bei doppelter Grösse alle Inhalte erhalten und alle Funktionen nutzbar bleiben.

6. Logische Überschriften

Worum es geht: Wer einen Screenreader nutzt, springt oft von Überschrift zu Überschrift, statt eine Seite Wort für Wort zu hören. Dafür braucht es eine saubere Struktur: eine Hauptüberschrift (H1), darunter Zwischenüberschriften (H2, H3) in sinnvoller Reihenfolge.

So testest du es: Lies nur die Überschriften deiner Seite, von oben nach unten. Ergeben sie eine sinnvolle Gliederung, fast wie ein Inhaltsverzeichnis? Oder sind es bloss grosse, fette Textzeilen ohne echte Hierarchie? Erweiterungen wie «WAVE» zeigen dir die Überschriften-Struktur auch als Liste an.

Bestanden, wenn: die Überschriften allein schon den Aufbau der Seite verständlich machen.

7. Aussagekräftige Linktexte

Worum es geht: Screenreader können alle Links einer Seite als Liste vorlesen. «Hier klicken» oder «mehr» ergibt dann keinen Sinn.

So testest du es: Schau dir deine Links einzeln an. Versteht man ohne den Text rundherum, wohin sie führen? «Mehr über unsere Leistungen» ist gut, «mehr» allein nicht. Achte auch auf Links, die nur aus einem Symbol bestehen, etwa Social-Media-Icons.

Bestanden, wenn: jeder Linktext für sich allein verständlich ist.

8. Beschriftete Formulare

Worum es geht: Formularfelder brauchen eine klare, dauerhafte Beschriftung, nicht nur einen Platzhaltertext, der beim Tippen verschwindet. Fehlermeldungen müssen verständlich sein.

So testest du es: Öffne dein Kontaktformular. Hat jedes Feld eine sichtbare Beschriftung, die stehen bleibt, während du schreibst? Schick das Formular einmal leer ab: Steht in Worten da, welches Feld fehlt, oder gibt es nur einen roten Rahmen?

Bestanden, wenn: alle Felder dauerhaft beschriftet sind und Fehler in Worten erklärt werden.

9. Untertitel und Transkripte

Worum es geht: Videos ohne Untertitel schliessen gehörlose und schwerhörige Menschen aus. Reine Audio-Inhalte wie Podcasts brauchen eine Textfassung.

So testest du es: Lassen sich bei deinen Videos Untertitel zuschalten? Gibt es zu Podcasts oder Audiobeiträgen ein Transkript? Wenn du keine Videos oder Audios einsetzt, ist dieser Punkt automatisch erfüllt.

Bestanden, wenn: jeder gesprochene Inhalt auch als Text zugänglich ist.

10. Mobil und ohne störende Bewegung

Worum es geht: Viele Besucherinnen und Besucher kommen übers Smartphone. Ausserdem können automatisch ablaufende Animationen ablenken, und blinkende Inhalte können im Extremfall sogar Anfälle auslösen.

So testest du es: Öffne deine Website auf dem Handy. Lässt sich alles ohne ständiges Zoomen und seitliches Scrollen bedienen? Laufen irgendwo Slider, Animationen oder Videos von selbst los? Was länger als fünf Sekunden läuft, muss sich anhalten lassen. Und nichts sollte öfter als dreimal pro Sekunde aufblitzen.

Bestanden, wenn: die Seite mobil gut nutzbar ist und du Bewegung stoppen kannst.

Was dein Ergebnis bedeutet

  • 8 bis 10 Punkte bestanden: Deine Website steht auf einem guten Fundament. Es lohnt sich, die verbleibenden Punkte gezielt zu schliessen, oft sind es Kleinigkeiten.
  • 4 bis 7 Punkte: Eine solide Basis mit spürbaren Lücken. Vieles lässt sich mit überschaubarem Aufwand verbessern, bevor es zum Problem wird.
  • 0 bis 3 Punkte: Hier gibt es grundlegenden Handlungsbedarf. Eine strukturierte Überarbeitung macht deine Website für alle besser und schafft Sicherheit mit Blick auf kommende Anforderungen.

Wichtig: Dieser Selbsttest gibt dir eine ehrliche erste Einschätzung. Er ist keine Konformitätsprüfung nach WCAG und ersetzt keine fachliche oder rechtliche Beratung.

Warum sich Barrierefreiheit doppelt auszahlt

Vieles, was deine Website für Menschen zugänglicher macht, hilft auch Suchmaschinen und KI-Diensten, deine Inhalte zu verstehen. Google sagt zum Beispiel selbst, dass es Alternativtexte nutzt, um zu erkennen, was auf einem Bild zu sehen ist. Sauberes HTML, klare Überschriften und aussagekräftige Linktexte sind die Grundlage für Barrierefreiheit, für SEO und für die Sichtbarkeit in KI-Antworten (GEO).

Anders gesagt: Du investierst einmal in ein sauberes Fundament und erreichst damit Menschen, Google und KI.

Dein nächster Schritt

Du willst es genauer wissen, als zehn Fragen es können? Wir prüfen deine Startseite und eine wichtige Unterseite gegen die zentralen WCAG-Kriterien und zeigen dir konkret, wo du stehst, kostenlos und unverbindlich: Kostenlosen Barrierefreiheits-Check anfragen.

Wie wir barrierefreie Websites für Institutionen, Vereine und KMU umsetzen, liest du auf unserer Seite zur Barrierefreiheit.

Hinweis: allgemeine Information, kein Rechtsrat. Rechtlicher Stand: Oktober 2026.

Häufige Fragen

Nein. Die zehn Tests zeigen dir die häufigsten Baustellen und geben dir eine erste Einschätzung. Für einen Nachweis, etwa als Grundlage für eine Barrierefreiheits-Erklärung, braucht es eine vollständige Prüfung nach den WCAG.

Für die Bundesverwaltung ist ein barrierefreies Internetangebot seit 2004 vorgeschrieben (BehiG). Für private Anbieter ist eine Revision des BehiG im Parlament, in Kraft ist sie noch nicht (Stand Oktober 2026). Wer an Konsumentinnen und Konsumenten in der EU verkauft, kann über den European Accessibility Act bereits betroffen sein. Das ist eine allgemeine Information, kein Rechtsrat.

Nein. Für die meisten Punkte reichen dein Browser, deine Tastatur und dein Smartphone. Für Alternativtexte und Kontraste helfen kostenlose Werkzeuge wie die Browser-Erweiterung «WAVE» oder der «Colour Contrast Analyser».

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