Jemand sitzt im Zug oder steht vor deinem Geschäft und sucht auf dem Handy deine Telefonnummer oder deine Öffnungszeiten. Ob diese Person dich anruft, hängt davon ab, wie gut deine Website auf einem kleinen Bildschirm funktioniert: mit dem Daumen bedient und über mobiles Internet geladen.
Der Desktop ist in der Schweiz nicht tot. Laut Statcounter kam im Sommer 2026 gut die Hälfte der Seitenaufrufe von Computern und rund 44 bis 46 Prozent von Smartphones. Je nach Branche sieht deine eigene Statistik anders aus. Für Google zählt trotzdem vor allem die Handy-Version deiner Website. Hier erfährst du, warum, was «responsive» heute heisst und wie du deine Website prüfst.
Google schaut zuerst aufs Handy
Im Oktober 2023 hat Google die Umstellung auf die sogenannte Mobile-First-Indexierung für abgeschlossen erklärt. Die letzten Websites, die noch mit dem Desktop-Crawler erfasst wurden, stellte Google nach dem 5. Juli 2024 um. Seither crawlt und indexiert Google Websites für die Suche mit dem «Googlebot Smartphone», also so, wie ein Handy sie sieht. Websites, deren Inhalte auf einem Mobilgerät gar nicht zugänglich sind, werden laut Google nicht mehr indexiert.
In der Praxis heisst das:
- Was auf der Handy-Version fehlt, kennt Google nicht. Wer auf dem Smartphone Abschnitte ausblendet, damit die Seite kürzer wirkt, verschenkt Inhalte.
- Seitentitel, Meta-Beschreibung, strukturierte Daten und Robots-Angaben sollen auf dem Handy gleich sein wie auf dem Desktop.
- Inhalte, die erst nach einem Wischen, Klicken oder Tippen nachgeladen werden, lädt Google laut eigener Dokumentation nicht.
Google empfiehlt responsives Webdesign, weil es am einfachsten umzusetzen und zu pflegen ist: dieselbe Adresse und derselbe Code für alle Geräte. Eine Garantie für bessere Rankings ist das nicht. Entscheidend ist, dass deine Inhalte auf dem Handy vollständig und gut nutzbar sind. Den früheren Mobile-Friendly-Test hat Google im Dezember 2023 eingestellt und verweist stattdessen auf Lighthouse in Chrome.
Was «responsive» wirklich heisst
Responsiv heisst nicht, dass die Desktop-Seite einfach kleiner wird. Eine responsive Website passt Layout, Bilder, Navigation und Formulare an den verfügbaren Platz an. Die Grundlage ist das Viewport-Meta-Tag im Seitenkopf mit «width=device-width, initial-scale=1». Fehlt es, stellen mobile Browser die Seite in Desktop-Breite dar und verkleinern sie. Gutes responsives Design geht aber weiter:
- Inhalt zuerst: «Mobile First» heisst auch, mit dem kleinsten Bildschirm zu beginnen. Was braucht jemand unterwegs zuerst? Meist sind es das Angebot in einem Satz, die Telefonnummer, die Adresse und die Öffnungszeiten.
- Umbrüche nach Inhalt, nicht nach Gerät: Statt für einzelne Handymodelle zu gestalten, setzt du die Umbruchpunkte dort, wo das Layout nicht mehr funktioniert. So funktioniert die Seite auch auf Bildschirmgrössen, an die beim Gestalten niemand gedacht hat.
- Zoom erlauben: Manche Websites sperren das Vergrössern mit zwei Fingern, für Menschen mit Sehschwäche ein echtes Hindernis. Die Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG) verlangen zudem, dass Inhalte bei 320 CSS-Pixeln Breite ohne seitliches Scrollen lesbar bleiben. Das entspricht 400 Prozent Zoom in einem 1280 Pixel breiten Browserfenster.
Daumen statt Maus: Bedienung auf dem Touchscreen
Genug grosse Tippflächen
Die WCAG 2.2 verlangen auf Stufe AA, dass Bedienelemente wie Links und Buttons mindestens 24 × 24 CSS-Pixel gross sind oder genug Abstand zu ihren Nachbarn haben. Ausnahmen gelten etwa für Links im Fliesstext. Die strengere Stufe AAA nennt 44 × 44 Pixel. Apple empfiehlt für Apps mindestens 44 × 44 Punkte, Googles Material Design 48 × 48 dp.
Unsere Faustregel: Wichtige Buttons und Menüpunkte sind rund 44 bis 48 Pixel hoch und haben spürbaren Abstand zueinander. Die Tippfläche darf dabei grösser sein als das sichtbare Icon.
Kein Hover
Auf einem Touchscreen gibt es kein «Darüberfahren» mit der Maus. Menüs, die sich nur beim Hover öffnen, oder Tooltips mit wichtigen Hinweisen funktionieren auf dem Handy schlecht oder gar nicht. Alles Wichtige muss sich per Tippen erreichen lassen. Praktisch sind zudem antippbare Kontaktangaben: Telefonnummer und E-Mail-Adresse als Link, die Adresse mit einem Link zur Karte.
Formulare fürs Handy
- Der passende Feldtyp öffnet die passende Tastatur: beim Feld für die E-Mail-Adresse mit dem @, beim Telefonfeld den Ziffernblock.
- Mit den richtigen Autocomplete-Angaben kann der Browser Name, Adresse und Telefonnummer automatisch ausfüllen.
- Frag nur ab, was du wirklich brauchst. Jedes zusätzliche Feld ist auf dem Handy doppelt mühsam.
- Beschriftungen stehen über dem Feld und nicht nur als grauer Platzhalter darin, der beim Tippen verschwindet.
Pop-ups und Banner im Griff
Ein Cookie-Banner über den halben Bildschirm, ein Newsletter-Pop-up und eine fixierte Kopfzeile: Dann bleibt auf dem Handy kaum Platz für den Inhalt. Google rät in seinen Hinweisen zur Page Experience, aufdringliche Einblendungen zu vermeiden. Halte Banner schmal und leicht schliessbar.
Ladezeit: Das Handy ist der Ernstfall
Smartphones rechnen meist langsamer als Laptops und hängen oft an einer schwankenden Verbindung. Google misst die Nutzererfahrung mit den Core Web Vitals. Als gut gelten:
- LCP (Largest Contentful Paint): Das grösste sichtbare Element ist nach höchstens 2,5 Sekunden da.
- INP (Interaction to Next Paint): Die Seite reagiert innerhalb von 200 Millisekunden auf Eingaben. INP hat im März 2024 den früheren Wert FID abgelöst.
- CLS (Cumulative Layout Shift): Der Inhalt springt beim Laden kaum herum, der Wert liegt bei höchstens 0,1.
Massgebend ist, dass mindestens 75 Prozent der Seitenaufrufe diese Werte erreichen. In PageSpeed Insights siehst du die Werte für Mobilgeräte und Desktop getrennt. Hat deine Website genug Besuche, stammen sie von echten Chrome-Nutzerinnen und -Nutzern der letzten 28 Tage.
Die häufigsten Bremsen auf dem Handy:
- Zu grosse Bilder: Lass dein System passende Grössen und moderne Formate wie WebP oder AVIF ausliefern.
- Externe Skripte: Tracking, Chat-Widgets, eingebettete Social-Media-Feeds und Kartendienste kosten Ladezeit. Prüf, was du wirklich brauchst.
- Videos und viele Schriften: Automatisch startende Videos im Kopfbereich und jeder zusätzliche Schriftschnitt kosten Daten.
- Kein reservierter Platz: Bilder und Banner ohne feste Masse lassen den Text beim Laden springen.
Testen: Echte Geräte schlagen jeden Simulator
Das Browserfenster schmaler zu ziehen oder die Geräteansicht in den Chrome-Entwicklertools zu nutzen, gibt dir einen ersten Eindruck. Google selbst nennt diese Ansicht aber nur eine Annäherung: Den Prozessor eines Handys kann sie zum Beispiel nicht nachbilden. So testest du realistischer:
- iPhone und Android: In der Schweiz lief laut Statcounter im Sommer 2026 mehr als die Hälfte der mobilen Seitenaufrufe über iOS. Teste deshalb mit Safari auf einem iPhone und mit Chrome auf einem Android-Gerät, wenn möglich auch auf einem älteren, günstigeren Modell.
- Unterwegs: Öffne die Website über mobile Daten statt im Büro-WLAN, draussen im Sonnenlicht und mit einer Hand.
- Grössere Schrift: Vergrössere die Schrift im Browser oder zoome mit zwei Fingern hinein. Bleibt alles lesbar, ohne dass du seitlich scrollen musst?
- Aufgaben statt Anschauen: Bitte jemanden, der deine Website nicht kennt, auf dem Handy eine konkrete Aufgabe zu lösen: «Finde heraus, ob die Firma am Samstag offen hat» oder «Schick eine Anfrage».
- So, wie Google sie sieht: In der Google Search Console zeigt dir die URL-Prüfung, wie der Googlebot für Smartphones deine Seite erfasst, inklusive Screenshot.
Und die App?
Für die meisten KMU reicht eine gut gemachte responsive Website: Sie erreicht alle ohne Download und wird über Suchmaschinen gefunden. Eine eigene App lohnt sich vor allem, wenn deine Kundschaft sie regelmässig nutzt, etwa für Buchungen oder ein Kundenkonto.
Checkliste: Ist deine Website fit fürs Handy?
- Alle wichtigen Inhalte stehen auch auf der Handy-Version.
- Seitentitel, Beschreibungen und strukturierte Daten sind mobil und am Desktop gleich.
- Die Seite passt sich ohne seitliches Scrollen an, Zoomen bleibt möglich.
- Telefonnummer, Adresse und Öffnungszeiten sind auf dem Handy schnell zu finden und antippbar.
- Buttons und Menüpunkte sind gross genug und haben Abstand.
- Nichts Wichtiges funktioniert nur per Hover.
- Formulare öffnen die passende Tastatur und fragen nur das Nötige ab.
- Cookie-Banner und Pop-ups verdecken den Inhalt nicht.
- Die Core Web Vitals für Mobilgeräte sind in PageSpeed Insights im grünen Bereich.
- Die Website ist auf einem iPhone und einem Android-Gerät getestet, auch über mobile Daten.
Deine Website fürs Handy
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