Eine neue Website ist eine grosse Chance: moderner Auftritt, bessere Technik, Inhalte, die endlich stimmen. Trotzdem erleben manche Organisationen nach dem Start eine böse Überraschung. Die Besucherzahlen aus Google brechen ein, Anfragen bleiben aus, und niemand weiss genau, warum.
Meist liegt es nicht am neuen Design, sondern an Kleinigkeiten, die beim Umzug verloren gehen: alte Adressen, die ins Leere führen, gelöschte Texte, vergessene Seitentitel. Die gute Nachricht: Die meisten dieser Fehler lassen sich mit einem sauberen Plan vermeiden. Diese Checkliste zeigt dir, worauf es vor, während und nach dem Relaunch ankommt.
Ganz ohne Bewegung geht es allerdings nicht. Google weist selbst darauf hin, dass Rankings während eines Umzugs vorübergehend schwanken können, solange die Website neu gecrawlt und indexiert wird. Bei einer mittelgrossen Website dauert es laut Google einige Wochen, bis die meisten Seiten im Index umgezogen sind, bei grossen Websites länger. Ziel ist also nicht, jede Schwankung zu verhindern, sondern dass deine Rankings danach wieder dort sind, wo sie hingehören.
Warum Rankings nach einem Relaunch einbrechen
Google hat deine alten Seiten über Jahre kennengelernt. Andere Websites verlinken darauf, Menschen haben sie als Lesezeichen gespeichert. Bei einem Relaunch gehen diese Signale typischerweise auf fünf Arten verloren:
- Neue Adressen ohne Weiterleitung: Aus /angebot/beratung.html wird /beratung, und wer die alte Adresse aufruft, landet auf einer Fehlerseite (404).
- Inhalte fallen weg: Gut rankende Texte werden gekürzt, zusammengelegt oder gar nicht übernommen.
- Metadaten gehen verloren: Seitentitel und Beschreibungen, die jahrelang gepflegt wurden, werden durch Standardwerte ersetzt.
- Die Sperre der Testumgebung bleibt aktiv: Ein «noindex» oder eine gesperrte robots.txt aus der Entwicklungsphase geht mit live.
- Interne Links zeigen ins Leere: Menüs und Texte verlinken noch auf alte Adressen oder auf Umwege.
Vor dem Relaunch: die Planung
1. Erfasse alle bestehenden URLs
Die wichtigste Arbeit passiert, bevor die neue Website steht. Erstelle eine vollständige Liste aller Adressen deiner bisherigen Website, das sogenannte URL-Inventar. Gute Quellen dafür sind:
- die XML-Sitemap der alten Website (meist unter /sitemap.xml),
- der Leistungsbericht in der Google Search Console: Welche Seiten bekommen Klicks und Impressionen?
- ein Crawler, der die Website durchsucht, etwa der «Screaming Frog SEO Spider»,
- deine Webanalyse: Welche Seiten werden am meisten besucht und führen zu Anfragen?
- der Bericht «Links» in der Search Console: Auf welche Seiten verweisen andere Websites?
Vergiss PDFs, Bilder und alte Kampagnen-Seiten nicht. Gerade Formulare, Merkblätter oder Jahresberichte als PDF werden oft von Gemeinden, Verbänden oder Partnern verlinkt.
2. Markiere die wichtigen Seiten
Nicht jede Seite ist gleich wertvoll. Markiere in deiner Liste die Seiten mit Besuchen aus Google, mit Links von anderen Websites und mit Anfragen. Für diese Seiten gilt: Inhalt übernehmen, Thema beibehalten, sorgfältig weiterleiten.
3. Erstelle einen Weiterleitungsplan
Im Weiterleitungsplan, auch Redirect-Map genannt, steht für jede alte URL, wohin sie künftig führt. Eine einfache Tabelle mit zwei Spalten reicht:
- /angebot/beratung.html → /beratung
- /team/vorstand.php → /ueber-uns/vorstand
- /news/2023/generalversammlung → /aktuell/generalversammlung-2023
Die Regel dabei: jede alte Seite auf die thematisch passende neue Seite. Leite nicht einfach alles auf die Startseite um. Google wertet viele Weiterleitungen auf eine unpassende Seite wie die Startseite unter Umständen als «Soft 404», also wie eine Fehlerseite, und die gesammelten Signale gehen verloren. Hast du mehrere alte Seiten zu einer neuen zusammengelegt, dürfen alle auf diese neue Seite zeigen. Gibt es für eine Seite gar keinen passenden Ersatz mehr, ist eine ehrliche Fehlerseite besser als eine irreführende Weiterleitung.
4. Setze permanente Weiterleitungen, direkt und ohne Ketten
Verwende permanente, serverseitige Weiterleitungen mit dem Statuscode 301 (oder 308). Laut Google ist das der zuverlässigste Weg, damit Suchmaschine und Menschen auf der richtigen Seite landen. Signale wie PageRank gibt Google über permanente Weiterleitungen weiter.
Wichtig ist, dass jede alte URL in einem einzigen Schritt beim endgültigen Ziel ankommt. Eine Weiterleitungskette sieht etwa so aus: http:// leitet auf https://, das auf die Variante mit www, das auf die Adresse mit Schrägstrich am Ende und erst dann auf die neue Seite. Jeder Zwischenschritt kostet Ladezeit, und Googles John Mueller empfiehlt, Ketten auf weniger als fünf Schritte zu begrenzen. Besser ist genau ein Schritt.
Typische Ursachen für Ketten sind alte Weiterleitungen aus einem früheren Relaunch. Prüfe deshalb auch diese und lass sie direkt auf die neuen Ziele zeigen.
5. Übernimm Inhalte, statt sie neu zu erfinden
Ein Relaunch ist eine gute Gelegenheit, Texte zu verbessern. Bei Seiten, die heute gut gefunden werden, solltest du aber vorsichtig sein:
- Behalte das Thema und die Begriffe bei, unter denen die Seite gefunden wird.
- Kürze nicht radikal. Ein Text mit 800 Wörtern, der zu 100 Wörtern wird, beantwortet weniger Fragen.
- Pack wichtige Inhalte nicht in Bilder, Slider oder PDFs, sondern lass sie als Text auf der Seite.
- Übernimm die Alternativtexte deiner Bilder.
6. Nimm die Metadaten mit
Übertrage für jede wichtige Seite den Seitentitel (Title), die Meta-Beschreibung und die Hauptüberschrift. Achte auch auf strukturierte Daten, etwa zu Adresse und Öffnungszeiten, und auf Canonical-Angaben. Ist deine Website mehrsprachig, wie in der Schweiz häufig, müssen die Sprachversionen nach dem Relaunch wieder korrekt miteinander verknüpft sein.
7. Teste alles auf der Testumgebung
Schütze die Testumgebung mit einem Passwort. Eine Sperre in der robots.txt allein reicht nicht: Google weist darauf hin, dass die robots.txt kein Mittel ist, um eine Seite aus dem Index fernzuhalten. Teste auf der Testumgebung deinen Weiterleitungsplan, die internen Links und die Formulare.
Am Tag des Relaunchs
- Weiterleitungen aktivieren und die wichtigsten 20 bis 30 alten URLs von Hand prüfen: Kommt jede mit einem einzigen 301-Schritt auf einer Seite an, die funktioniert?
- Die Sperre aus der Testphase entfernen: kein «noindex» mehr, robots.txt lässt Suchmaschinen zu.
- Die neue XML-Sitemap in der Google Search Console einreichen. Google empfiehlt, zusätzlich eine Sitemap mit den alten URLs einzureichen. So siehst du in der Search Console, wie die alten Adressen nach und nach aus dem Index verschwinden und die neuen dazukommen. Warnungen zu weitergeleiteten URLs in der alten Sitemap sind dabei normal.
- Wechselst du auch die Domain, etwa von einer alten auf eine neue .ch-Adresse, nutze in der Search Console das Tool zur Adressänderung. Bleibt die Domain gleich, brauchst du es nicht.
- Kontaktformulare, Webanalyse und Cookie-Hinweis testen.
Nach dem Relaunch: die ersten Wochen
Jetzt zeigt sich, ob der Plan aufgeht. Plane in den ersten zwei Wochen täglich ein paar Minuten ein, danach wöchentlich:
- 404-Fehler überwachen: Im Bericht «Seiten» der Search Console findest du unter «Nicht gefunden (404)» Adressen, die ins Leere führen. Für jede relevante URL legst du nachträglich eine Weiterleitung an.
- Weiterleitungen beobachten: Unter «Seite mit Weiterleitung» tauchen die alten Adressen auf. Das ist normal und zeigt, dass Google die Weiterleitungen erkennt.
- Leistung vergleichen: Vergleiche im Leistungsbericht Klicks und Impressionen deiner wichtigsten Seiten mit dem Zeitraum vor dem Relaunch.
- Externe Links aktualisieren: Bitte wichtige Partner, Verbände oder Gemeinden, ihre Links auf die neuen Adressen anzupassen. Aktualisiere auch dein Google Unternehmensprofil und deine Social-Media-Profile.
Und ganz wichtig: Lass die Weiterleitungen stehen. Google empfiehlt, sie mindestens ein Jahr aktiv zu lassen, und aus Sicht der Besucherinnen und Besucher am besten dauerhaft.
Die Checkliste zum Abhaken
- URL-Inventar der alten Website erstellt (Sitemap, Search Console, Crawler, Webanalyse, Backlinks)
- Wichtige Seiten mit Besuchen, Links und Anfragen markiert
- Weiterleitungsplan: jede alte URL auf die passende neue Seite
- Keine Massen-Weiterleitung auf die Startseite
- Permanente 301-Weiterleitungen, jeweils in einem Schritt, ohne Ketten
- Alte Weiterleitungen aus früheren Relaunches angepasst
- Inhalte der wichtigen Seiten übernommen
- Seitentitel, Meta-Beschreibungen und strukturierte Daten übertragen
- Testumgebung mit Passwort geschützt
- Am Starttag: Sperren entfernt, Weiterleitungen geprüft, Sitemap eingereicht
- 404-Fehler in den ersten Wochen regelmässig geprüft
- Weiterleitungen bleiben mindestens ein Jahr, besser dauerhaft
Relaunch mit Plan
Ein Relaunch ohne Ranking-Verlust ist kein Glück, sondern Handwerk. Wenn du eine neue Website planst und deine Sichtbarkeit sicher mitnehmen willst, findest du auf unserer Seite zum Website-Relaunch, wie wir dabei vorgehen.