Eine Website ist nach dem Start nicht fertig. Wie ein Auto braucht sie regelmässig Service: Updates, Sicherheit, Backups, aktuelle Inhalte. Diese laufenden Kosten werden bei der Planung oft unterschätzt, und dann kommt die Überraschung mit der ersten Rechnung für ein Update, das «doch nur kurz» hätte sein sollen.
Die ehrliche Antwort auf die Frage nach den Kosten lautet: Es kommt darauf an. In diesem Beitrag erfährst du, worauf genau. Wir gehen die Kostentreiber einzeln durch und geben dir am Schluss eine Liste mit Fragen, die du deiner Agentur oder deinem Anbieter stellen kannst. So kannst du Angebote vergleichen, die auf den ersten Blick nicht vergleichbar sind.
Die Grundkosten: Domain, Hosting und Zertifikat
Domain
Die Domain, also deine Adresse wie deine-firma.ch, ist meist der kleinste Posten. Domains mit der Endung .ch registrierst du nicht direkt bei der Registrierungsstelle Switch, sondern über einen anerkannten Registrar. Jeder Registrar legt seine Preise selbst fest.
Wichtiger als der Preis ist eine andere Frage: Auf wen ist die Domain registriert? Halterin sollte deine Firma, dein Verein oder deine Institution sein, nicht die Agentur und nicht eine ehemalige Mitarbeiterin. Sonst wird ein Anbieterwechsel kompliziert.
Hosting
Beim Hosting bestimmen vor allem diese Punkte die Kosten:
- Art des Hostings: geteilter Server, verwalteter Server oder eigener Server
- Speicherplatz, Besucherzahlen und Leistung
- Was inklusive ist: Backups, Überwachung, Support, E-Mail-Postfächer
- Standort der Server und Erreichbarkeit des Supports
Ein Punkt, den viele nicht auf dem Radar haben: Auch die Software auf dem Server altert. Die Programmiersprache PHP, auf der viele Redaktionssysteme laufen, bekommt pro Version nur eine begrenzte Zeit Sicherheitsupdates. PHP 8.1 erhält seit Ende 2025 keine mehr, bei PHP 8.2 endet die Unterstützung Ende 2026. Stellt dein Hoster auf eine neuere Version um, muss deine Website damit funktionieren. Das kann Anpassungen nötig machen, die Geld kosten.
SSL-Zertifikat
Das Zertifikat sorgt für die verschlüsselte Verbindung (https). Kostenlose Zertifikate, etwa von Let's Encrypt, sind heute weit verbreitet. Der Aufwand liegt woanders: Zertifikate müssen immer häufiger erneuert werden. Seit dem 15. März 2026 dürfen öffentlich vertrauenswürdige Zertifikate höchstens 200 Tage gültig sein, ab März 2027 noch 100 Tage und ab März 2029 nur noch 47 Tage. Let's Encrypt verkürzt die Laufzeit seiner Zertifikate bis 2028 schrittweise auf 45 Tage. Die Erneuerung muss also automatisch laufen. Frag nach, ob das bei dir der Fall ist und wer bemerkt, wenn es einmal nicht klappt.
Laufend: Updates und Sicherheit
Ein Redaktionssystem wie WordPress, TYPO3 oder Sulu besteht aus dem eigentlichen System, aus Erweiterungen (Plugins oder Extensions) und oft aus individuell programmiertem Code. Alle diese Teile brauchen Updates.
Wie wichtig das ist, zeigt der Bericht «State of WordPress Security in 2026» des Sicherheitsunternehmens Patchstack: Für das Jahr 2025 wurden über 11’000 neue Sicherheitslücken im WordPress-Umfeld gemeldet, 42 % mehr als im Vorjahr. 91 % davon betrafen Plugins, 9 % Themes und nur sehr wenige das System selbst. Ein Teil der Lücken wurde schon wenige Stunden nach Bekanntwerden ausgenutzt.
Daraus ergeben sich die wichtigsten Kostentreiber:
- Anzahl der Erweiterungen: Jedes Plugin und jede Extension ist eine weitere Komponente, die aktualisiert und getestet werden muss.
- Individueller Code: Eigene Funktionen müssen bei grösseren Updates oft angepasst werden.
- Grosse Versionssprünge: Redaktionssysteme bringen regelmässig neue Hauptversionen. Bei TYPO3 zum Beispiel endete die kostenlose Unterstützung für Version 12 am 30. April 2026. Danach gibt es nur noch kostenpflichtigen erweiterten Support oder den Umstieg auf eine neuere Version. Solche Upgrades sind meist deutlich aufwendiger als normale Updates.
- Tests: Ein sorgfältiges Update wird zuerst auf einer Testumgebung geprüft und erst dann live geschaltet.
- Reaktionszeit: Je schneller kritische Sicherheitslücken geschlossen werden sollen, desto mehr Bereitschaft braucht es beim Anbieter.
Auch das KMU-Portal des Bundes nennt regelmässige Software-Updates und Datensicherungen als Teil des Grundschutzes gegen Cyberangriffe. Aufgeschobene Updates sparen kurzfristig Geld, werden aber später meist teurer, weil sich die Änderungen stapeln.
Backups und Wiederherstellung
Ein Backup ist nur so gut wie die Wiederherstellung. Wichtig sind diese Fragen:
- Wie oft wird gesichert, täglich oder wöchentlich?
- Wo liegen die Sicherungen? Mindestens eine Kopie sollte nicht auf demselben Server liegen.
- Wie lange werden Sicherungen aufbewahrt?
- Wurde die Wiederherstellung schon einmal getestet, und wie lange dauert sie?
Bewährt hat sich die 3-2-1-Regel: drei Kopien deiner Daten, auf zwei verschiedenen Speichern, davon eine an einem anderen Ort. Je häufiger gesichert und je länger aufbewahrt wird, desto höher sind die Kosten, aber auch die Sicherheit.
Inhalte pflegen
Veraltete Öffnungszeiten, ein Anlass vom letzten Jahr auf der Startseite, ein Team, das längst anders aussieht: Das kostet Vertrauen. Für die Pflege der Inhalte gibt es zwei Wege:
- Selbst pflegen: Deine Redaktion arbeitet im Redaktionssystem. Das braucht eine Schulung und Zeit im Alltag, spart aber Kosten bei der Agentur.
- Pflegen lassen: Die Agentur übernimmt Änderungen nach Aufwand oder über ein Stundenkontingent.
Denk auch an die Datenschutzerklärung. Seit dem 1. September 2023 gilt in der Schweiz das revidierte Datenschutzgesetz. Wenn du ein neues Werkzeug einbindest, etwa einen Newsletter-Dienst, eine Karte oder eine Webanalyse, solltest du prüfen, ob deine Datenschutzerklärung noch stimmt.
Barrierefreiheit und Auffindbarkeit laufend pflegen
Barrierefreiheit ist kein einmaliges Projekt. Jedes neue Bild braucht einen passenden Alternativtext, jedes neue PDF und jedes neue Formular muss für alle nutzbar sein. Nach grösseren Updates lohnt sich eine kurze Kontrolle von Tastaturbedienung und Kontrasten. Mehr dazu findest du auf unserer Seite zur Barrierefreiheit.
Ähnlich ist es bei der Auffindbarkeit. Wer bei Google und in KI-Antworten sichtbar bleiben will, sollte regelmässig in der Google Search Console nach Fehlern schauen, das Google Unternehmensprofil aktuell halten und wichtige Seiten inhaltlich weiterentwickeln. Ob du das selbst machst oder über ein SEO-Angebot abdeckst, ist ein weiterer Kostentreiber.
Was du deine Agentur fragen solltest
Wartungsangebote sind schwer zu vergleichen, weil jeder Anbieter etwas anderes darunter versteht. Mit diesen Fragen bringst du Klarheit:
- Was genau ist im monatlichen oder jährlichen Betrag enthalten, und was wird nach Aufwand verrechnet?
- Sind Updates von System, Erweiterungen und PHP-Version inklusive?
- Wie werden grössere Versionssprünge behandelt, und wie lange wird meine aktuelle Version noch unterstützt?
- Wie schnell werden kritische Sicherheitsupdates eingespielt?
- Wie oft wird gesichert, wo liegen die Backups, und wurde die Wiederherstellung getestet?
- Wird die Website überwacht, und wer reagiert bei einem Ausfall, auch am Wochenende?
- Wird das Zertifikat automatisch erneuert?
- Auf wen sind Domain und Hosting registriert, und bekomme ich alle Zugangsdaten?
- Gibt es ein Stundenkontingent für kleine Änderungen, und verfällt es am Ende des Jahres?
- Werden Barrierefreiheit und Darstellung nach Updates geprüft?
- Wie lange ist die Kündigungsfrist, und bekomme ich bei einem Wechsel meine Daten und den Code?
So hältst du die Kosten im Griff
- Weniger ist mehr: Jede Erweiterung, die du nicht brauchst, ist eine weniger, die gepflegt werden muss.
- Regelmässig statt aufgestaut: Kleine Updates in kurzen Abständen sind günstiger als ein grosser Rückstand.
- Redaktion schulen: Wer Texte und Bilder selbst sauber pflegen kann, braucht die Agentur seltener.
- Vorausplanen: Rechne mit grösseren Upgrades alle paar Jahre und plane sie ins Budget ein, statt von ihnen überrascht zu werden.
Lass uns über deine Website reden
Du möchtest wissen, womit du beim Unterhalt deiner Website rechnen musst, oder Wartungsangebote besser vergleichen? Erzähl uns, welche Website du hast und was dir wichtig ist. Nimm Kontakt mit uns auf, wir schauen es uns gemeinsam an.